SIEB.10/LYRIK/

Werner Stangl

protokoll 

ich höre sie schon wieder
wieder kommen sie mit ihren großen trommeln die
straße herab
herab von den zinnen bis zum rinnsal hallt der schlag
schlag auf schlag und fuß an fuß und tod an tod
tod verkündet der grausame trommelschlag
trommelschlag kommt immer näher und näher
näher schleicht sich die angst
angst
angst und flucht paaren sich quälend
quälend kommen die schläge der trommel wieder
wieder lügen die schritte
schritte haben kein erbarmen mit uns
uns reißt jeder augenblick in tausend gedanken
gedanken an nichts
nichts als furcht und angst und kein erbarmen
erbarmen mit uns
uns hat die zeit verurteilt
verurteilt zu nichts
nichts kann die schläge der trommel zerschlagen
zerschlagen sind unsre körper und tot die gedanken
gedanken können noch trösten
trösten kann uns nur mehr der tod
tod ist uns allen erlösung und hoffnung
hoffnung ist nichts für uns da drinnen
drinnen und draußen sind zwei welten
welten zerteilt vom schlagen der großen trommeln
trommeln hämmern die tage in ewigkeiten
ewigkeiten zählen wie leben
leben dürfen wir nicht mehr und sterben ist eine gnade
gnade können sie uns nicht schenken
schenken ist nichts als vergessen
vergessen haben wir alle die tage in ketten
ketten sind die musik für unsere tauben ohren
ohren können alles verschweigen
verschweigen wird niemand
niemand kann jemals vergessen
vergessen dürfen wir nur unser sterben
sterben können nicht alle
alle sind keine menschen
menschen wie die da draußen
draußen leben keine menschen mehr
mehr liebe ersehne ich
ich höre sie schon wieder
wieder . . .

(gedanken eines zum tode verurteilten)

SIEB.10 @ 4711 e-zine für literatur

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NEUE WEGE Nr. 234 24. Jg Februar 1969